RE: Sollen "gebrauchte Tiere" adoptiert werden?
Also, ich habe vor 2,5 Jahren zwei Rottweiler im Alter von 4 und 6 Jahren adoptiert.
Unser Quirin, 6 Jahre alt, stammt von einem angesehenen Züchter des ADRK. Da er beim Schutzhundedienst nicht gebissen hatte, wurde er an einen Autohandel verkauft. Der Autohandel verkaufte ihn dann irgendwann weiter an einen "Tierfreund", der Quirin über drei Jahre im Aussenzwinger (4 qm) hielt. Quirin kam täglich 15 Minuten raus! Sein Vorgänger, ein Schäfi, hat sich im gleichen Zwinger die Rute abgenagt...
Quirin wurde dank aufmerksamer Nachbarn vom Ordnungsamt sichergestellt und zur Rottweiler-Nothilfe gebracht.
Als wir ihn erhielten, konnte er nicht mal den Schwanz einsetzen (nicht aus gesundheitlichen Gründen). Er folgte mir wie ein Schatten und frass nicht mal, wenn ich nicht neben ihm stand. Er war unverträglich mit anderen Rüden und hatte zu Beginn starke Trennungsangst, obwohl er aus dem Zwinger stammte.
Heute ist er ein toller, anhänglicher Hund, der mir hilft, ängstliche Hunde zu therapieren, Welpen zu erziehen und im Altenheim Menschen zu betreuen.
Mieke wurde als Welpe an eine Familie vermittelt, die sich in keinster Weise um sie kümmerte. Mit 4 Jahren wurde sie gegen einen Welpen beim ihrem Züchter eingetauscht. Zu diesem Zeitpunkt hatte sie bereits beidseitig ED, HD rechts und einen Kreuzbandriss links. Der Züchter entschied, dass sie nochmal Geld bringen sollte und ließ sie decken. Da die Welpen krank waren, sollten diese und Mieke sterben. In der Pflegestelle der Rottweiler-Nothilfe konnte sie sich die ersten 3 Wochen nicht lösen vor Angst. Sie sprang von einem Balkon, um ihrer Bezugsperson zu folgen!
Jeder hat uns abgeraten zwei Rottweiler aus zweiter Hand zu nehmen! Welch' ein Irrtum. Ich habe zwei tolle Hunde, die jeden begeistern, der sie kennenlernt. Quirins Unverträglichkeit haben wir mit Training hinbekommen. BH1 und BH2 haben wir auch schon geschafft. Beide sind toll mit Kindern und machen unser Leben lebenswert.
Ich kann nur jedem dazu raten, einen Hund aus dem Tierheim zu holen. Natürlich sollte man sich mit der Auswahl Zeit lassen (passt die Rasse wirklich zu mir?) und vor allem dem Hund genug Zeit geben, sich einzugewöhnen. Quirin hat fast ein Jahr gebraucht, um uns zu zeigen, dass er mit dem Schwanz wedeln sprich Freude ausdrücken kann.
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Viele Grüße
Yasemin und die Rottis Mieke und Quirin
RE: Sollen "gebrauchte Tiere" adoptiert werden?
Hallo und guten Tag zusammen. Ich bin auf jeden Fall dafür, dass sogenannte "gebrauchte Tiere" adoptiert werden sollten. Aber es sollte auf jeden Fall eine genaueste Prüfung vorher erfolgen, damit das Tier nicht wieder im Tierheim landet.
Viele Tierheimtiere haben schreckliches erlebt und haben oft ein Trauma, dass sehr viel Fingerspitzengefühl und Liebe erfordert. Hier ein Besispiel:
Mein Hund war in einem Tierheim. Ich wollte zunächst dort nur aushelfen, weil zu wenig Personal für regelmässige Ausführrunden bei den Hunden gefehlt hat. So teilte man mir einem Hund zu. Dieser war etwar 1 Jahr alt und wurde in seiner gesammten Zeit regelmässig misshandelt und war deutlich unterernährt und hatte wenig Fell. Zusätzlich musste er in der ersten Zeit viele Infusionen und weitere Tierarzteingriffe über sich ergehen lassen. Er war sehr ängstlich und hat in dieser Zeit auch zugebissen.
Durch sehr viel Zeit und eine langsame Vertrauensbasis lernte er mich und die Welt ausserhalb seines ehemaligen Kellers kennen. Eine Kuh oder ein fliegender Vogel waren Angstfaktoren. Nach ca 3 Monaten nahm ich den Hund mit nach Hause. Natürlich wurde ich vorher durch das Tierheim sehr genau unter die Lupe genommen, denn nicht jedes Tier passt zu jeden Halter. Sogar mein Haus wurde geprüft und so zo mein Hund bei mir ein. Nach gewisser Zeit mußte ich dann mit ihm arbeiten und ging mit ihm in die Hundeschule und kurz darauf haben wir die Begleithundprüfung mit Erfolg abgeschlossen. Und jetzt kommt der Hammer! Aus meinen Hund- inzwischen gewachsen und richtig schön im Fell und sehr gelassen und brav und was noch viel wichtiger ist- GESUND- wurde ein Rassehund.
Plötzlich wollte der ehemalige Halter das Tier zurück, was jedoch Seitens des Tierheimes verweigert wurde. Ich möchte keinen Tag auf meinen Begleiter verzichten- obwohl ich viele schlaflose Nächte wegen ihn hatte... Aber es hat sich gelohnt! Übrigens denke ich auch, dass mein Barry mich ausgesucht hat und nicht umgekehrt! Ich bin auf jeden Fall der Meinung, dass Tiere aus dem Tierheim die erste Wahl sein sollten! Allerdings immer nur unter gewissen Auflagen. Ich bin ferner auch sehr froh, dass es in Gartencentern keine oder kaum noch Tiere zu kaufen gibt! Wir alle kennen die Tiergeschichten zu Weihnachten und zu den Sommerferien werden unsere Lieblinge ausgesetzt. Also sollte jedem Tierkäufer deutlich vor Augen sein:
a) was will ich b) was bin ich bereit dafür zu tun c) was ist mit den Ferien oder wenn ich krank bin d) was kostet ein Tier im Unterhalt (bedenke nicht nur Futter sondern auch Versicherung, Steuern, Zubehör, Tierarzt) e) ist ein Tier KEIN Spielzeug auch wenn es spielen mag... und und und... Ich könnte hier ewig weiter schreiben!
RE: Sollen "gebrauchte Tiere" adoptiert werden?
Ich halte den Begriff "gebraucht" sowohl für Menschen als auch für Tiere für völlig unpassend. Der Begriff gebraucht bezieht sich auf Gegenstände, die eben nicht mehr neu, sondern z.B. beschädigt, nicht voll funktionsfähig etc. sind. Ab welchem Zeitpunkt ist ein Mensch "gebraucht" ?? Wenn der Bursch sein erstes Mädchen geküßt hat - ist er jetzt gebraucht?? Sind alle Menschen über 20 gebrauchte Menschen und daher weniger wertvoll als Kinder? Alte Menschen sind dann üebrhaupt stark gebraucht und daher wertlos?????
Aus meiner Sicht sind weder Menschen noch Tiere zu irgendeinem Zeitpunkt ihres Lebens "gebraucht" (vielleicht mißbraucht). Es sind eigenständige Lebewesen mit einem mehr oder weniger großen Erfahrungsschatz.
Wichtig ist, das man sich das Tier, seine Eigenschaften und Gewohnheiten genau ansieht, ob alles paßt - schließlich sucht man einen Ehepartner oder einen Freund üblicherweise auch nicht man 5 Minuten anschauen aus.
Einem Tier helfen zu können, ist an sich etwas Schönes und Wunderbares: aber nicht nur das Tier, sondern der Helfer selbst profitiert in hohem Maße davon. Es gibt Tag für Tag ein gutes Gefühl, mit einem glücklichen Tier zusammenzuleben. Dies steigert nachweislich die menschliche Gesundheit und erhöht die Lebensdauer.
Viele Grüße auch von meinen 5 Stubentigern von denen mir gerade 2 beim Schreiben zusehen!
Euer Romeo
RE: Sollen "gebrauchte Tiere" adoptiert werden?
Hallo liebes Tier-Guide Team,
also ich und mein Mann stehen zu 100% hinter einer Adoption von "gebrauchtenTieren". Wir sind ja absolute Katzen-Fans und holen uns deshalb immer die älteren Tiere aus den Tierheimen. Den Vorgänger von unserem jetzigen Kater, der kommt übrigens von der Strasse, haben ihn dort total verdreckt,verzeckt und von vielen Katerkämpfen gezeichnet aufgelesen, haben wir uns auch aus dem Tierheim geholt, er war damals 12 Jahre alt. Wir durften unser Leben, unser Haus und auch den Rest noch weitere 9 Jahre mit ihm teilen. Mit 21 Jahren mussten wir ihn dann leider einschläfern lassen weil er Nierenkrank war.
Gut finde ich natürlich, dass Mitarbeiter der Tierheime, wenigstens war es bei denjenigen wo wir die Tiere geholt hatten so, hinterher nach ein paar Wochen mal unangemeldet vorbei schauen um zu sehen ob die Verbindung Mensch/Tier auch geklappt hat.
Bezüglich der Eingewöhnungszeit hatten wir nie Schwierigkeiten obwohl wir auch schwervermittelbare Katzen bei uns aufgenommen haben. Unser 21jähriger Kater war so ein Fall. Wir haben ihm ein extra Zimmer gegeben welches er dann auch erst nach 14 Tagen zum 1.Mal verließ. Der Tierheim Aufenthalt hatte ihn doch sehr mitgenommen und er hatte jegliches Vertrauen in die Menschen verloren. Aber da wir ihn einfach "gelassen" haben bis er von selbst auf uns zuging, fühlte er sich auch keineswegs beträngt und konnte seine Ängste nach und nach abbauen.
Bezüglich der Essgewohnheiten kann es manchesmal schon Schwierigkeiten geben aber auch das ist nur eine Frage der Zeit, man muss einfach etwas Geduld haben, überhaupt bei älteren Tieren und bei Katzen sowieso, denn die wissen ganz genau was sie wollen. Also einfach nur ganz genau zuhören was sie einem zu sagen haben und schon klappt es auch mit der Essens-Versorgung. Meistens wenigstens!
Ansonsten kann ich nur jedem Einzelnen raten, und zwar bevor er sich ein Tier aus irgendeiner Zucht holt, sich erst einmal in den ortsansässigen Tierheimen umzuschauen. Die Tiere danken es uns um ein 1000-faches.
ein schnurrendes Miau an alle,
Felice
RE: Sollen "gebrauchte Tiere" adoptiert werden?
hallo und schönen nachmittag!
welche frage! natürlich sollen tiere, die nicht in der seidenen wurfbox zur welt kamen oder doch nicht dem vorstellungen der erstbesitzer entsprachen, eine chance bekommen!!
in meiner familie leben derzeit 5 "wegwerfhunde" und 2 ebensolche katzen.
drei hunde und die 2 katzen kamen schon erwachsen zu uns, die letzte hündin vor 5 wochen.
schwer traumatisiert, hat die kleine bei jeder berührung geschrien und geknurrt - heute hat sie auch dank der mithilfe unseres rudels ihre ängste weitgehend überwunden und ist ein meistens lustiger kobold, geht gerne spazieren, fährt auto und ist in der hundefreilaufzone voll integriert.
wer einen vorraussichtlich problemlosen hund will, sollte zu einem guten züchter gehen. wer zeit und veständnis (und eventuell auch geld) investieren will und kann, sollte sich der tiere annehmen, die als unsere mitgeschöpfe auch ein tiergerechtes leben verdient haben!
wer sich die mühe macht, einem derartigen tier ein gutes leben zu bieten, wird einen liebevollen gefährten bekommen!
liebe grüße
majopic
RE: Sollen "gebrauchte Tiere" adoptiert werden?
Hallo liebe Tierfreunde,
ich habe vor Jahren einen Schäferhund /Leonberger Mix aus dem Tierheim geholt. Trotz schlechter Erfahrungen damit würde ich es dennoch immer wieder tun. Ich weiß das man das Vermittlungstier quasi von seiner Schokoladenseite zeigen muss, damit es ein neues Zuhause findet. Sicherlich läuft man Gefahr das ein Tier evt nicht genommen wird, wenn es halt nicht nur pflegeleicht ist.
Ich finde es für das Tier trotzdem besser dann im Tierheim zu bleiben, anstatt hin und her geschoben zu werden. Es wäre einfacher gewesen uns seine "Macken" zu sagen, dann hätten wir evt. leichter damit umgehen können. Man hat uns nicht gesagt, das unser Hund früher geschlagen worden sein muß, denn er reagierte geradezu allergisch auf Schirme, Dunkle Anoraks und Cappis.
Er verstand sich nicht mit anderen Hunden...egal ob Männchen oder Weibchen. Und er entwickelte mir gegenüber so einen Beschützerinstinkt, das er zuletzt meinen Mann und meine Kinder anknurrte und die Zähne fletschte, wenn die mich umarmen wollten. Mir war er überaus dankbar und sehr lieb, aber ich hab ihn nicht alleine mit meinen Kindern in einem Zimmer lassen können.
Damit waren wir restlos überfordert. Uns wurde er als lammfrommer Familienhund angepriesen, der sich problemlos mit anderen Hunden versteht. Ende vom Lied war, das wir uns von ihm trennen mußten, so leid uns das auch tat.
Fazit: SO hat man dem Hund keinen Gefallen getan.
Das Thema Tierheim und alles was dazu gehört mit Finanzen und Betreuer und ihren Möglichkeiten ist sicherlich eine riesengroße Baustelle. Weil das Tier immer noch als "Sache" angesehen wird, kann man sich ihr, wenn sie einem nicht mehr gefällt einfach ins Tierheim abschieben...im besten Fall. Besser als auf einem Rastplatz. Darum platzen die Tierheime aus allen Nähten und die Pfleger können kaum genug Zeit für jedes einzelne Tier aufbringen. Viele verkümmern dort seelisch, obwohl die Menschen sich dort große Mühe geben.
Darum würde ich immer wieder einer armen Seele dort helfen, würde auch gerne in einem Tierheim arbeiten.LG Sunnylo