Woody kommt aus Polen und hatte Parvo
16.Januar 2005: "Komm, zieh Jacke über, wir machen einen Ausflug!" Das waren die Worte am frühen Sonntagmorgen. So nahm alles seinen Lauf.........
Bis kurz vorm Ziel wußte ich nicht wohin es ging, geschweige denn um was es ging.
Wir hielten auf einem Hof in Vienenburg (Vorharz) an und als ich die Stallungen sah, da wurde mir einiges klar.....ein Hund!
Ich bin als Kind mit einem Hund (Mischling) aufgewachsen. Flocky hieß er und mein Mann wußte, ich wünsche mir nichts mehr als einen Hund.
Ca. 10 kleine Welpen tummelten sich im Stall. Sie eroberten ALLE mein Herz im Sturm und die Entscheidung fiel mir sooooo schwer. Daher ließ ich meine Kinder entscheiden und ihre Entscheidung fiel auf den kleinen knuffigen Welpen mit den blauen Augen und den süßen Schlappohren.
Es war um uns geschehen.....Woody war ab sofort unser neues Familienmitglied.
Zu diesem Zeitpunkt wußten wir noch nichts von Woodys wahrer Identität, denn der Hundehändler (welcher sich als Züchter ausgab) hat uns belogen und betrogen. Gerne hätten wir Woodys Eltern mal gesehen, doch diese waren angeblich unterwegs.
Woody wurde uns als Golden Retriever Mischling für 160,00 Euro verkauft, denn diese Hunderasse wird ja viel besser "an den Mann oder Frau gebracht" als ein Schäferhund Mix oder gar einen Mali. Malis sind keine Anfängerhunde und brauchen einen Rudelführer mit Erfahrung (siehe Malinois).
Dieser Hundehändler ist mehr als verantwortungslos, er ist skrupellos und für ihn zählt nur das schnelle Geld. Leider darf ich aus gesetzlichen Gründen hier nicht den Namen veröffentlichen.
Wir bekamen einen gefälschten Impfausweis von ihm.
Das der Ausweis imitiert ist, erfuhren wir aber erst später, nämlich als
Woody mit ca. 14 Wochen an Parvovirose erkrankte.
Für Welpen besonders gefährlich, weil in 80 Prozent der Fälle tödlich.
Die Parvovirose, hervorgerufen durch das canine Parvovirus (CPV) ist eine der gefährlichsten Infektionskrankheit für den Hund. Sie befällt vor allem das Immunsystem und die Darmschleimhaut. "Drei bis zehn Tage nach der Ansteckung, die über Nase und Maul erfolgt, bekommt der Hund Fieber, wird matt und appetitlos. Kurz darauf folgen die typischen Symptome Erbrechen und übelriechender, zunehmend blutiger Durchfall. Wird das Tier jetzt nicht sofort behandelt, kann es innerhalb von wenigen Tagen sterben". Hier kommt es infolge des Befalls des Herzmuskels zum akuten Versagen der Herz-Kreislauf-Funktion.
Die Impfkommission empfiehlt für junge Hunde eine Erstimpfung im Alter von acht Wochen, vier Wochen später die Zweitimpfung und mit 16 Wochen die dritte Vakzination sowie eine Wiederauffrischung nach 15 Monaten. Leider erhielt Woody beim Hundehändler überhaupt keine Impfung und auch keine Entwurmung, denn er hatte auch noch Giardien und andere Würmer. Dieses schwächte ihn natürlich noch zusätzlich.
Was sind Giardien?
Es handelt sich um einzellige Parasiten, die sich im Dünndarm der Wirtstiere oder auch des Menschen tummeln und scheinbar unbehandelbare Durchfälle verursachen. Da es sich um Darmparasiten handelt, die eigentlich nur in den südlichen Regionen vorkommen, denkt auch der Tierarzt bei Durchfallerkrankungen nicht sofort an eine Giardieninfektion. Die üblichen Untersuchungen von Kotproben bringen zumeist keine positiven Ergebnisse, da Giardien nur mit einem speziellen Untersuchungsverfahren (ELISA) nachweisbar sind, welches wesentlich sensitiver testet.
Woody verbrachte 10 Tage in der Tierklinik und dort wurden wir auch darauf aufmerksam gemacht, daß der Impfausweis nicht korrekt sein kann. Die Tierärzte rieten uns Woody einschläfern zu lassen, da sie keine Überlebenschance sahen und wenn doch, erhebliche Folgeerkrankungen.
Wir entschieden uns dagegen, kratzten jeden Pfennig für die teure Behandlung zusammen und verbrachten jede mögliche Minute in der 20 km entfernten Klinik. Nach 10 Tagen durften wir ihn mit nach Hause nehmen, übern Berg war er aber noch lange nicht. Weitere 4 Monate hatten wir einen "Pflegefall" zu Hause. Er war sehr schwach, hatte immer noch oft Durchfall und Erbrechen (aber nicht mehr blutig). Abwechselnd hielten wir nachts Wache, flößten ihn mit einer Spritze Wasser und Brei ein.
Es war eine sehr harte Zeit für uns alle, doch wir bereuen keine Minute und würden immer wieder so entscheiden. Woody dankt es uns mit seiner Treue, Anhänglichkeit und Liebe. Und wenn auch von vielen "Hundetrainern" behauptet wird, Hunde hätten keine Gefühle, das kann mir niemand erzählen.....ich weiß es besser!
Wie es der Zufall damals wollte, wurde in der Tierklinik ein kleiner Mischlingswelpe eingeliefert. Er kam ins gleiche Zimmer wie Woody und wir bemerkten das beide Hunde ganz aufgeregt waren, so als wenn sie sich kennen. Sie freuten sich regelrecht und fiepten vor sich hin.
Tatsächlich erfuhren wir über Umwege, daß dieser kleine Welpe von dem gleichen Hundehändler stammt wie unser Woody. Auch er hatte Parvo und Würmer (Giardien). Leider überlebte er nicht, er starb noch in der Klinik.
Mehrmals versuchten wir mit dem Verkäufer zu telefonieren, baten um eine Stellungnahme und Aufklärung über Woodys wahrer Herkunft.
Er verweigerte jede Auskunft und knallte nur den Telefonhörer auf.
Durch mühselige Kleinarbeit bekam ich von sechs weiteren Käufern die Namen heraus und setze mich mit diesen in Verbindung.
Alle 6 Hunde sind gestorben. Fünf an Parvo und ein Hund mußte später wegen Aggressivität (hat sein Frauchen schwer verletzt) eingeschläfert werden.
Wir schalteten verschiedene Organisationen ein, auch eine Strafanzeige erstatten wir.
Recherchen ergaben das Woody und insgesamt 12 weitere Welpen in kleinen Holzkisten aus Polen nach Vienenburg kamen. Eingepfercht und viel zu früh von der Mutter getrennt. Gekauft auf dem Polenmarkt für 5,00 Euro.
Wir konfrontierten den Händler mit unserem Wissen, daraufhin bekamen wir Drohungen die uns wirklich Angst machten. Wir übergaben die Angelegenheit (was für ein unpassendes Wort) der Staatsanwaltschaft, diese leitete Kontrollen ein. Leider wurde Herr XYZ gewarnt, davon sind wir überzeugt und somit wurde kein Verstoß gefunden. Die Strafanzeige wurde eingestellt, was uns sehr traurig macht.
Noch heute inseriert der Hundehändler in Tageszeitungen und verkauft weiterhin Welpen. Ein Klick bei Google "Hundehändler Vienenburg" und man erfährt so einiges über den "sauberen Herrn".
Wir können es einfach nicht nachvollziehen warum die Verfahren so schnell eingestellt wurden. Alle sechs Käufer die ich ausfindig machen konnte waren bereit gegen den Hundehändler auszusagen und trotzdem hatten wir keinen Erfolg.
Ist wirklich so wenig Interesse von Seiten des Staates vorhanden?
Seit dem 17.7.2009 wissen wir das Woody an Anaplasmose erkrankt ist und ein erneuter Kampf beginnt..........
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