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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Erschöpfung, Temperatur, Schilddrüse



soniklein
30.05.2008, 13:36
Hallo,

ich hoffe hier auf möglichst viele "Denkanstöße" oder Tipps, denn ich bin zur Zeit ziemlich rat- und hoffnungslos....

Also:

Mein Border Collie ist 6 Jahre alt.
Ich betreibe mit ihm regelmäßig Hundesport.

Vor bereits 2 Jahren fiel mir auf, daß er bei wärmeren Temperaturen gerne in den Schatten ging in den Trainingspausen, viel soff usw.. - aber nicht weiter tragisch.
Letzten Sommer/Herbst verschlimmerte es sich aber so, daß ich den TA fragte...Hund untersucht, aha, Schilddrüsenunterfunktion!
(ich wieder Hoffnung gehabt)
Der T4 Wert lag bei ihm bei 0,7, dann gab´s die Hormone, und wir kamen über 1,1 dann auf 4,5 im März.
Aber Besserung? nicht in Sicht, im Gegenteil, Hund "schwächelte" weiter...
TA sagte auch, der T4 Wert wäre jetzt zu hoch, also weniger Hormone. Kamen dann wieder auf 2,6 Ende April.
Bin dann mit Hund zu einem Kardiologen, der Gott sei Dank am Herzen nichts finden konnte - er riet zu erhöhter Dosis (450 mg-2 mal täglich)
Bekommt Hund jetzt also.
Auf Anraten meines TA maß ich bei meinem Hund an 2 Tagen mal die Körpertemperatur - Fazit beide Tage:
vor Training: 38,5
nach 5 !! min leichtestes Training (Fußarbeit etc) 39,6 Grad
nach weiteren 10 min höherem Training (schnell laufen etc) - 40,3 Grad

Hund war auch schon nach den ersten 5 min in den Schatten gegangen, nach den weiteren 10 min war er sowas von körperlich kaputt.
Und dabei war es da noch nicht besonders heiß etc...

Leider hat mein Hund seit 14 Tagen einen Prellung am Zehengelenk und darf nur an der Leine geführt werden - so daß ich jetzt im Moment keine weiteren Angaben machen kann - habe aber kein besseres Gefühl, ..

War vor 2 Tagen bei einem anderen TA, (um auch den noch zu befragen) - der meinte, vielleicht sollte man ihn auf Borreliose testen - stellte sich dann aber raus, daß das Labor das nicht machen kann, weil der Hund gegen Borreliose geimpft ist und dieses Jahr natürlich auch schon - daher kein aussagekräftiger Test möglich!

Habe dann aber (weil ich schon mal da war) noch ein großes Blutbild machen lassen....TA meint, sonst alles ok, aber der T4 Wert mit 7,3 viel zu hoch!!
(allerdings hatte der Hund erst 3 Stunden vorher die Tabletten bekommen, weil ich da noch nicht wußte, daß wir den mitmachen)

Nochmal Kardiologen angerufen - er meint, dieser hohe T4 Wert ist erstmal nicht schlimm, aber wir müssen noch den FT4 bestimmen lassen und den genauer angucken...

Und irgendwie bin ich jetzt im Moment total ratlos - gut, ich muß den Hund noch eine Woche schonen, aber ich könnte schwören, seine Leistungsfähigkeit hat sich nicht gebessert!
(er bekam, als ich die Temperatur gemessen habe und er so schnell erschöpft war, auch schon über 14 Tage die hohe Dosis)

Meine Frage:
Wenn es nicht an der Schilddrüse liegen sollte - (oder was genau soll alles noch da untersucht werden..) - was kann es sein, daß meinen Hund bei Belastung so schnell abbauen läßt??
Er säuft dann auch viel, hechelt viel etc...

Das war früher NIE ein Thema für uns - über 15 min Training hätten wir nur gelacht - und jetzt??
Aber alle Ärzte sagen, am Alter kann es nicht liegen!

Bin über JEDEN Tipp, Hinweis etc total dankbar!

Dr.Deinhammer
30.05.2008, 15:52
Hallo retour!

Klingt wirklich kompliziert, klingt aber auch nach guter Diagnostik und kompetenten Kollegen.

Hab nur noch ein paar "pitzelige" Fragen:

Ein "euthyreot-sick-syndrom" ist ausgeschlossen?
*die Probleme "viel Trinken" und "leistungsschwach" würden
z.B. zu einem Hyperadrenokrotizismus auch passen.

Wann ist die erhöhte Körpertemperatur wieder im Normbereich?
Wie sieht die Herzfrequenz in solchen Momenten aus?
Wie hoch war die Aussentemperatur an den Messungstagen?

Orthopädisch ist er völlig ok?

<<wenn es nicht an der Schilddrüse liegen sollte - (oder was genau soll alles noch da untersucht werden..)
...da stellt sich die Frage, was ist alles schon untersucht worden?
War klinisch irgendeine Auffälligkeit zu entdecken?
Wie sehen die Lymphknoten aus? Harn? Blutchemie - welche Werte? Röntgen von Hüfte und WS? Thoraxröntgen? Ehrlichien -AK? ...


glg
Karin Deinhammer

soniklein
30.05.2008, 16:09
Hallo Frau Dr. Deinhammer!

Vielen Dank erstmal für die schnelle Antwort!!

Aber jetzt bin ich ja noch "platter" als vorher - ich bin nicht so kundig mit den ganzen Fachbegriffen, und habe mich auch nie soo gekümmert - bin halt immer gleich zum TA..!

das einzige, was ich sofort beantworten kann, (weil ich ja selbst gemessen, daß seine "Normaltemperatur" nach dem Training wieder nach 15 min zu messen war...

Außentemperatur: ca 20 Grad!

soniklein
30.05.2008, 16:49
Und hier die letzten Werte von vor 3 Tagen....

Dr.Deinhammer
30.05.2008, 17:39
...also um diese Blutwerte würde Sie so mancher Hundebesitzer beneiden. Sehen (abgesehen vom T4 natürlich) toll aus!

Sorry, es ist via mail immer so schwer zu beurteilen, wie "fachidiotisch" man schreiben darf...

euthyreot-sick-syndrom = Schilddrüsenwerte sind verändert, aber durch andere Krankheit, nicht durch die Schilddrüse selbst

Hyperadrenokortizismus= Nebennierenrindenüberfunktion (M.Cushing)
(bei Ihrem Hund sehr unwahrscheinlich, weil AP in der Norm, evtl. trotzdem spez. Gewicht des Harns checken - kaum Aufwand, nicht teuer)

Thoraxröntgen= BrustkorbRÖ

Ehrlichien -AK=Ehrlichia canis/Anaplasma phagozytophila: bakterienähnliche Erreger, die von Zecken übertragen werden, verursachen aber vor allem Fieber und Veränderungen der Blutplättchen/thrombozyten (bei Ihrem Hund normal) bzw. Leukozyten (hier auch ok)

Was mir noch eingefallen ist: Ich hätte keine Ahnung, welche Körpertempertatur mein Hund nach 15 Min Spaziergang hat. Wäre es eine Möglichkeit evtl einen Gruppenspaziergang zu machen und bei mehereren Hunden Temperatur zu messen? Dann kann man das besser einordnen...
Andrerseit hat Ihr Hund im Moment möglicherweise eine "iatrogene"(=von aussen verursachte) Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) und dann natürlich keine normale Temperaturregalation.

Vielleicht sollten Sie (nach Rücksprache mit dem Labor) T4 nochmal zum optimalen Zeitpunkt bestimmen lassen?

glg
Karin Deinhammer

soniklein
30.05.2008, 19:22
Nochmal vielen Dank!!

Und auch das mit der Schilddrüsenüberfunktion bzw diesem hohen Wert habe ich auch schon so "angedacht"...

Auch die anderen Fachbegriffe hatte ich nachgelesen - vielen Dank hier auch noch für die Erklärungen...!!

Das mit dem Gruppenspaziergang - ja, erstmal Leute finden, die das ihren Hunden "antun" wollen, nicht??;-))

Aber abgesehen jetzt von der Temperatur:
was kann es denn bloß sein, daß mein Hund schon nach 5 - 10 min in den Schatten rennt, wenn ich ihn im Training "freigebe"

Er würde für die "Arbeit" echt sterben - ich sage immer - er will, aber er kann dann einfach nicht mehr!

Und hat total schnell "Ringe unter den Augen" , wenn Sie wissen, was ich meine, also er sieht um die Augen dann total fertig aus...

Eben gerade haben wir unseren ersten längeren Spaziergang (20 min) nach der Schonung wegen der Pfote gemacht - und auch da die Ringe unter den Augen, wie früher erst nach ausgiebigem Training...

Ich habe das Gefühl, es wird schlechter statt besser - und ehrlich??
Ich könnte heulen - weil ich denke, er hat was (muß was haben) - aber keiner weiß, was es ist!!!

Viele Grüße,
Bianca

PS: habe gelesen, daß bei einem Hund über 40 Grad Körpertemperatur ein körperlicher Erschöpfungszustand stattfindet - und den erreicht mein Hund schon nach 10 min????

Dr.Deinhammer
31.05.2008, 09:53
Liebe Bianca!

<<Das mit dem Gruppenspaziergang - ja, erstmal Leute finden, die das ihren Hunden "antun" wollen, nicht??;-))

da haben Sie so recht!

Und wie gesagt, im Moment ist es wahrscheinlich eh nicht wirklich aussagekräftig, weil T4 so hoch, dass Temperaturregulation... usw.
Insofern wäre es natürlich interessanter wie der Verlauf der Körpertemperatur OHNE Thyroxinsubstitution wäre.

Hier natürlich die wichtige Frage: Ist das Problem mit und ohne Thyroxin ähnlich? Falls ja, hat es wahrscheinlich mit der Schilddrüse wenig zu tun, falls nein, sollte man eher versuchen die Thyroxindosierung optimal anzupassen, bevor man viele weitere Untersuchungen durchführt.

Aber Brainstormen wir mal, was könnte noch zu "Erschöpfung/Arbeitsunlust" führen:
(Und tun wir so als hätte er keine Schilddrüsenproblematik)

Diese Liste erhebt natürlich keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit!

-Probleme im Atmungstrakt (da wäre wie gesagt ein Lungenröntgen eine Idee)
-Herzrhythmusstörungen (allerdings vermute ich, dass ein seriöser Cardiologe ein EKG geschrieben hat)
*da wäre es möglicherweise sinnvoll, dass Sie sich von Ihrem Tierarzt das Pulsmessen beim Hund zeigen lassen. Rhythmusstörungen fühlt man oft sehr gut!
-Orthopädische Probleme (z.B. Schmerzen an der Wirbelsäule, Hüfte)
-psychische Probleme (ist aber sehr sehr unwahrscheinlich, wenn er diese Erschöpfung nicht nur am Platz, sondern auch beim Spaziergang zeigt)
-und natürlich - das können wir leider nie ganz ausschliessen - er hat irgendwo einen Tumor. Krebs lässt sich im Blut leider so gut wie gar nicht nachweisen.


Und da stosse ich wieder mal ganz klar an die Grenzen eines Internetforums. Ich bin nämlich schon grundsätzlich der Meinung, dass man einem Patienten, den man schon länger kennt, in den meisten Fällen "ansieht" ob er/sie eine längerbestehende chronische Erkrankung hat. Da wirkt das Tier eher mager, meist struppig, die Augen sind glanzlos, usw.
Wenn der Patient aber ein glänzendes Fell hat und aussieht wie das blühende Leben, dann vermute ich eher ein akutes Geschehen.
Aber wie gesagt, via Internet geht da gar nix, da ist Ihr Tierarzt gefragt!

glg
Karin Deinhammer

bobal
03.06.2008, 21:20
Hallo soniklein,

ich kann nur folgendes sagen. Ich habe mitmeinen Hund und Fieberthermometer einen Spaziergang gemacht, allerdings jetzt in den Abendstunden (Sonne nahezu weg). Weiteres Problem, meinen beiden ist es momentan zu warm, sodaß sie sich nur gemäßigt bewegen und nicht so toben, als wäre es kälter, insofern lässt sich das mit einer Trainingssituation nicht vergleichen. Unter dem Spaziergang hat sich die Körpertemperatur bei meinem Rüden um 0,2 ° C (38° auf 38,2°) erhöht, bei meiner Hündin überhaupt nicht geändert (38,5°).

Zum anderen muß ich sagen, der Kardiologe hat schon recht, man sollte das sog fT4 oder freie T4 bestimmen, da nur dies stoffwechselaktiv ist. Und daran sollte sich auch die medikamentöse Einstellung orientieren. Eine Erhöhung des T4 bedeutet nicht, daß der hund eine Überfunktion der schilddrüse hat.

Und ganz allgemein gesprochen kann man sagen, daß eine Überfunktion der Schilddrüse zu vergleichen ist mit einem Hochofen, die Lebewesen sind aktiv, kribbelig, nervös etc., während eine Unterfunktion eher durch Adynamie gekennzeichnet ist. Eine erhöhte Körpertemperatur könnte durch eine Schilddrüsenüberfunktion bedingt sein, aber es gibt noch unzählige andere Gründe, warum ein Hund Fieber entwickelt.

Eine Frage wäre auch noch, ist der hund auf Babesien getestet? Das normale Blutbild spricht eher dagegen, aber es gibt nichts, was es nicht gibt.

LG

bobal

soniklein
05.06.2008, 07:15
Hallo bobal!

Vielen Dank erstmal für´s Temperaturmessen!!

Da mein Hund solche Erschöpfungsanzeichen allerdings nicht so sehr auf den Spaziergängen zeigt, habe ich da auch noch nie gemesse - sondern halt nur beim Training, da, wo innerhalb weniger Minuten einiges "gerannt" wird...

Was Babesien sind, muß ich jetzt erstmal gucken - aber getestet darauf ist er sicherlich nicht.

War jetzt nochmal bei einer anderen Tierärztin, die sich auch viel Zeit für mich genommen hat!

Und ihr Labor ist in der Lage, meinen Hund auf Borreliose zu testen (ganz neu dort eingeführt) - also haben ich noch mal Blut abnehmen lassen - ua auch noch mal für die Bestimmung des T4 und FT4 Wertes, da ja die letzte Untersuchung darauf doch sehr früh nach der Tabletteneinnahme erfolgte..

Hatte ja noch (bei eben dieser letzten Untersuchung) auch noch den FT4 Wert nachträglich angefordert - der liegt/lag bei 3,0. (Normalwert 0,6 -3,7)

Aber wie gesagt, jetzt haben wir noch mal Blut eingeschickt.

Die Tierärztin meint auch, vielleicht gehört mein Hund zu den Hunden, die einfach nur die Wärme nicht gut abkönnen;-((
Denn durch ihre Fragen kamen wir darauf, daß zB mein Hund zwar in großer Wärme nach 5 min Training "platt" ist - aber er am Wasser mit Schwimmen solche Erscheinungen nicht zeigt.. - na ja, da ist ja aber auch echt kühler und überhaupt.


Aber wir werden gucken, was wir noch so ansehen können - bin aber weiterhin für jegliche Denkanstöße dankbar!

Ich hoffe weiter, daß wir was finden, was die Ursache für die Erschöpfung meines Hundes sein könnte..

soniklein
05.06.2008, 07:18
Hallo Frau Deinhammer!

Doch, das ist es ja - mein Hund zeigte die Erschöpfungszustände bevor wir mit den Schilddrüsenmedikamenten anfingen und genauso sehr (eher noch schlimmer) jetzt im Frühjahr, als er schon eine ganze Weile die Medikamente bekam!

Statt besser eher schlechter geworden - ja, auf jeden Fall sogar schlechter..

Viele Grüße,
Bianca

soniklein
05.06.2008, 07:24
So, habe jetzt nochmal nach Babesien geguckt - da lese ich aber immer was von eher kürzerer Krankheitsdauer, - bei meinem Hund gehen die "Erschöpfungszustände" doch aber schon mind. über ein Jahr?!!

Dr.Deinhammer
09.06.2008, 10:38
Ich glaub auch nicht wirklich an Babesien, da ist ein chronischer Verlauf sehr ungewöhnlich und ausserdem sollte die Diagnostik da nicht so schwer sein (Harn braurot oder kräftig gelb, ebenso das Plasma, die roten Blutzellen niedrig, die weissen hoch und eben Babesien im Blutaussstrich).

Eher noch - wie gesagt - Ehrlichen/Anaplasmen...

glg
Karin Deinhammer