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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Medikation mit Cortison



gesche
02.03.2008, 22:38
Hallo !
Kann eine längere Cortisongabe bei einem alten Hund mit einer ausgeprägten Linksherzhyperthrophie und Lungenödem sowie katastrophalen Laborwerten eigentlich schädlich sein ? Unter Cortison ist der "Herzhusten" allerdings deutlich reduziert und eine Erleichterung für den Hund.
Mit freundlichen Grüßen
Gesche

Prof.Strasser
03.03.2008, 14:52
Hallo!
Die negativen Nebenwirkungen, mit denen eine Cortison-therapie verbunden ist, sind natürlich auch beim Hund in ihrer Relation zum Therapieerfolg vorher abzuwägen. Jedoch wirken sich meist die langfristigen Nebenwirkungen einer Cortison-Therapie (wie z.B. Fertilitätsstörungen, Osteoporose, Immunsuppression, ...) durch die niedrigere durchschnittlich Lebenserwartung der Spezies Hund ohnehin nicht in dem Ausmaß wie beim Menschen aus.
MfG
Alois Strasser

gesche
03.03.2008, 21:49
Hallo Herr Prof. Strasser !

Da ich lange Zeit in der Human - Medizin gearbeite habe, ist mir natürlich die Wirkung von Cortison auf den Menschen bekannt. Nur habe ich absolut keine Ahnung, ob die Nebenwirkungen bei einem 16 Jahre alten Hund vergleichbar sind. Die Dosierung von Medikamenten in der Veterinärmedizin unterscheidet sich doch deutlich von denen in der Humanmedizin. Allein die Dosierung von Lasix im Vergleich von Mensch zu Tier war gewöhnungsbedürftig. Mir ist klar, daß das Cortison für unseren Hund eine Erleichterung war.

Der Husten, bedingt durch die Herzerkrankung und das Lungenödem, reduzierte sich deutlich von ca. 25 - 30 Hustenanfällen auf ca. 5. Aber irgendwie überlegen wir, ob es evtl. noch andere Alternativen gegeben hätte. Die von Ihnen angegebenen Nebenwirkungen sind vergleichbar mit denen bei einem Menschen.

Meine Frage jetzt schlichtweg - haben wir unserem Hund mit der längerfristigen Gabe von Cortison einen Gefallen getan, oder haben wir nur unnötig sein Leben damit verlängert. Er wurde zunehmend apathischer und verlor seine Lebensfreude. Wir haben ihn inzwischen zur Regenbrücke begleiten müssen und in unser Trauer denken wir natürlich ständig darüber nach, ob....

MfG
Gesche

Prof.Strasser
04.03.2008, 14:11
Sg. Gesche!
Es tut mir sehr leid, von Ihrem Verlust zu lesen. Wenn es Sie zumindest etwas tröstet, kann ich Ihnen nur mitteilen, daß Sie sicher das Beste versucht und Ihrem Tier seine Beschwerden zumindest etwas erleichtert haben. Doch da ich weder Veterinärpharmakologe noch Cortisonspezialist bin, kann ich Ihnen zu diesem Thema nur u.a. Anwendungsbeschränkungen und Kontraindikationen beim Heimtier zusenden.
Mit freundlichen Grüßen
Alois Strasser
Anwendungseinschränkungen

Kontraindikationen
• Diabetes mellitus, Magen-Darm-Ulcera, Osteoporose, aktive Immunisierung, akute bakterielle und virale Infektionen (ausser in lebensbedrohlichen Situationen), Systemmykosen, septische Prozesse.

Vorsichtsmassnahmen
• Eine lang andauernde Therapie (mehr als 14 Tage) darf nicht abrupt abgebrochen werden.
• Häufigkeit und Ausmass des Auftretens von möglichen Nebenwirkungen ist ausser von individuellen Faktoren des Patienten von der Dosierung und der Therapiedauer abhängig. Besonders bei langer Therapiedauer können folgende Wirkungen ausgeprägt auftreten: Erhöhtes Infektionsrisiko, verzögerte Wundheilung, Magen-Darm-Ulcera, Osteoporose, Arthropathie, Hautatrophie, Muskelschwund, verminderte Glucosetoleranz, Erniedrigung der Krampfschwelle, ACTH-Suppression, NNR-Inaktivitätsatrophie

gesche
04.03.2008, 20:43
Hallo Herr Prof. Strasser,
ganz herzlichen Dank für Ihre prompten Antworten ! Sie haben mir sehr geholfen, mit meinen Zweifeln fertig zu werden und ich kann mir jetzt auch vorstellen, was unseren Hund die letzten Tage evtl. quälte. Wenn er uns auch immer noch unheimlich fehlt, wissen wir doch, daß es ihm nun jenseits der Regenbogenbrücke wieder gut geht.
Nochmals herzlichen Dank
und freundliche Grüße
Gesche