Bushcamper
24.09.2007, 21:15
Seit Urzeiten leben Wildkatzen in den Wäldern Europas, ihre Existenz ist jedoch mittlerweile stark gefährdet. Jetzt fordert der Naturschutz Deutschland (BUND) ein zusammenhängendes Netz aus Wanderungswegen für die bedrohte Tierart – Länge 20.000 Kilometer.
Wenn der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein 20.000 Kilometer langes Wandernetz für Wildkatzen anlegen will, denkt er nicht an verwilderte Hauskatzen, sondern an die „echte“ Wildkatze, eine eigene Art, die seit Urzeiten in den Wäldern Europas lebt. Seit der Mensch den Wald intensiv bewirtschaftet, verschwindet sie aber zusehends. Denn im ausgeräumten Wirtschaftswald fühlt sie sich nicht wohl, zeigen die Beobachtungen des Zoologen Thomas Mölich. Dort fehlen normalerweise Büsche und Totholz, die Deckung für die Jungkatzen gewähren oder im Winter die Jagd erleichtern.
Nur noch 3000 bis 5000 Wildkatzen gibt es in Deutschland. Sie verteilen sich auf zwei Regionen, die ungefähr zwischen dem Pfälzer Wald und der Eifel sowie zwischen dem Nationalpark Hainich in Thüringen und dem Harz liegen. Um ihr Überleben zu sichern, müssten die Überlebenden zwischen den beiden Regionen wandern und auch andere Gebiete wie den Thüringer Wald erreichen können, in der Wildkatzen ausgestorben sind.
Die Wildkatze steht dabei stellvertretend für weitere Wildtiere, die selten geworden sind: etwa Baummarder, Dachs und Luchs. Das vom BUND propagierte Wandernetz soll die klein gewordenen Lebensräume vernetzen. So könnten die Tiergruppen einer Art zusammenkommen, ihre Gene austauschen können und stabile Populationen bilden. Noch im Herbst wird ein erster „Katzenpfad“ den Nationalpark Hainich in Thüringen mit dem Thüringer Wald verbinden. Weitere Wege sollen später Schwarzwald, Pfälzer Wald, Hunsrück und Eifel sowie den Harz mit dem Thüringer und dem Bayerischen Wald verbinden.
Wie der Lebensraum der Wildkatze aussieht, untersucht Mölich, Spezialist für mitteleuropäische Raubtiere, im Auftrag des BUND im Nationalpark Hainich. Weil dort in den Randbereichen eines Truppenübungsplatzes und späteren Nationalparks jahrzehntelang umstürzende Bäume am Waldboden liegen blieben, ähneln diese Gebiete ein wenig dem Ur-Wald Germaniens.
Als Thomas Mölich dort mit Peilantennen die Wege von neun Tieren verfolgte, die er vorher gefangen und mit kleinen Sendern an Halsbändern wieder freigelassen hatte, entlarvte er die Tiere als echte Waldbewohner: Weiter als 200 Meter entfernen sich die Wildkatzen des Hainich nie vom Wald. Offene Landschaften mit Feldern und Wiesen sind ihnen offensichtlich ein Gräuel. Als die Wildkatze im gar nicht so weit entfernten Thüringer Wald einst ausgerottet wurde, schaffte sie später den Weg über die ausgeräumten Felder Thüringens dorthin nicht mehr. Würde man die beiden Gebiete dagegen mit einem Waldgürtel miteinander verbinden, könnte die Wildkatze auf eigenen Pfoten vom Hainich zum Thüringer Wald wandern.
Bei der Verwirklichung dieser Idee kam ausgerechnet der Neubau der Autobahn A4 zu Hilfe, die bisher Hainich und Thüringer Wald voneinander trennt. Die neue Trasse sieht nämlich eine Talbrücke über das Nessetal vor, von dem ein Waldstück direkt bis zum Hainich reicht. Die Wildkatzen könnten daher, ohne ihren Wald zu verlassen, die neue Autobahn gefahrlos unterqueren. Allerdings stoßen sie danach auf eine gut einen Kilometer breite Ackerlandschaft – ein unüberwindbares Hindernis.
Genau dort aber wird im kommenden Winter als Ausgleichsmaßnahme für den Autobahnbau auf Drängen der Naturschützer ein 1200 Meter langer Waldstreifen entstehen, der die Lücke im Waldkorridor zwischen Hainich und Thüringer Wald schließt. In der Mitte pflanzen die Naturschützer einen 30 Meter breiten Streifen aus Eschen, Linden und Hainbuchen. Rechts und links davon kommt ein je acht Meter breiter Streifen von dornigen Büschen wie Weißdorn, Schlehe und Hartriegel, an den sich noch auf beiden Seiten ein zwei Meter breiter Streifen mit Kräutern anschließt. Genau in solchen Heckenstreifen am Waldrand aber verbringen Wildkatzen gern den Tag, hat Thomas Mölich im Hainich beobachtet.
Quelle: welt.de
Wenn der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) ein 20.000 Kilometer langes Wandernetz für Wildkatzen anlegen will, denkt er nicht an verwilderte Hauskatzen, sondern an die „echte“ Wildkatze, eine eigene Art, die seit Urzeiten in den Wäldern Europas lebt. Seit der Mensch den Wald intensiv bewirtschaftet, verschwindet sie aber zusehends. Denn im ausgeräumten Wirtschaftswald fühlt sie sich nicht wohl, zeigen die Beobachtungen des Zoologen Thomas Mölich. Dort fehlen normalerweise Büsche und Totholz, die Deckung für die Jungkatzen gewähren oder im Winter die Jagd erleichtern.
Nur noch 3000 bis 5000 Wildkatzen gibt es in Deutschland. Sie verteilen sich auf zwei Regionen, die ungefähr zwischen dem Pfälzer Wald und der Eifel sowie zwischen dem Nationalpark Hainich in Thüringen und dem Harz liegen. Um ihr Überleben zu sichern, müssten die Überlebenden zwischen den beiden Regionen wandern und auch andere Gebiete wie den Thüringer Wald erreichen können, in der Wildkatzen ausgestorben sind.
Die Wildkatze steht dabei stellvertretend für weitere Wildtiere, die selten geworden sind: etwa Baummarder, Dachs und Luchs. Das vom BUND propagierte Wandernetz soll die klein gewordenen Lebensräume vernetzen. So könnten die Tiergruppen einer Art zusammenkommen, ihre Gene austauschen können und stabile Populationen bilden. Noch im Herbst wird ein erster „Katzenpfad“ den Nationalpark Hainich in Thüringen mit dem Thüringer Wald verbinden. Weitere Wege sollen später Schwarzwald, Pfälzer Wald, Hunsrück und Eifel sowie den Harz mit dem Thüringer und dem Bayerischen Wald verbinden.
Wie der Lebensraum der Wildkatze aussieht, untersucht Mölich, Spezialist für mitteleuropäische Raubtiere, im Auftrag des BUND im Nationalpark Hainich. Weil dort in den Randbereichen eines Truppenübungsplatzes und späteren Nationalparks jahrzehntelang umstürzende Bäume am Waldboden liegen blieben, ähneln diese Gebiete ein wenig dem Ur-Wald Germaniens.
Als Thomas Mölich dort mit Peilantennen die Wege von neun Tieren verfolgte, die er vorher gefangen und mit kleinen Sendern an Halsbändern wieder freigelassen hatte, entlarvte er die Tiere als echte Waldbewohner: Weiter als 200 Meter entfernen sich die Wildkatzen des Hainich nie vom Wald. Offene Landschaften mit Feldern und Wiesen sind ihnen offensichtlich ein Gräuel. Als die Wildkatze im gar nicht so weit entfernten Thüringer Wald einst ausgerottet wurde, schaffte sie später den Weg über die ausgeräumten Felder Thüringens dorthin nicht mehr. Würde man die beiden Gebiete dagegen mit einem Waldgürtel miteinander verbinden, könnte die Wildkatze auf eigenen Pfoten vom Hainich zum Thüringer Wald wandern.
Bei der Verwirklichung dieser Idee kam ausgerechnet der Neubau der Autobahn A4 zu Hilfe, die bisher Hainich und Thüringer Wald voneinander trennt. Die neue Trasse sieht nämlich eine Talbrücke über das Nessetal vor, von dem ein Waldstück direkt bis zum Hainich reicht. Die Wildkatzen könnten daher, ohne ihren Wald zu verlassen, die neue Autobahn gefahrlos unterqueren. Allerdings stoßen sie danach auf eine gut einen Kilometer breite Ackerlandschaft – ein unüberwindbares Hindernis.
Genau dort aber wird im kommenden Winter als Ausgleichsmaßnahme für den Autobahnbau auf Drängen der Naturschützer ein 1200 Meter langer Waldstreifen entstehen, der die Lücke im Waldkorridor zwischen Hainich und Thüringer Wald schließt. In der Mitte pflanzen die Naturschützer einen 30 Meter breiten Streifen aus Eschen, Linden und Hainbuchen. Rechts und links davon kommt ein je acht Meter breiter Streifen von dornigen Büschen wie Weißdorn, Schlehe und Hartriegel, an den sich noch auf beiden Seiten ein zwei Meter breiter Streifen mit Kräutern anschließt. Genau in solchen Heckenstreifen am Waldrand aber verbringen Wildkatzen gern den Tag, hat Thomas Mölich im Hainich beobachtet.
Quelle: welt.de