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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Klimawandel - Tiere und Pflanzen aus dem Tritt



Bushcamper
11.12.2006, 12:50
Es ist Dezember und von Winter noch immer keine Spur. Für die Natur hat das Folgen: Viele Pflanzen und Tiere sind aktiver, als sie es eigentlich sein sollten. Das könnte zum Problem werden, wenn der Winter doch noch in Gang kommt.

Deutschland ist mitten drin im Klimawandel: Nach dem "Jahrhundertsommer" ist nach Messungen der Klimaforscher auch der diesjährige Herbst außergewöhnlich. Er ist der wärmste seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Das ungewöhnlich milde Wetter bringt den Zeitplan vieler Tier- und Pflanzenarten aus dem Takt. Statt sich auf den lebensnotwendigen Winterschlaf vorzubereiten, sind viele Tiere noch aktiv. Vor allem Frösche, Molche und Fledermäuse leiden unter dem warmen Wetter und finden nicht in den Schlaf, sagt der Artenschutz-Experte Peter Schütz von der nordrhein-westfälischen Landesanstalt für Ökologie, Bodenordnung und Forsten in Recklinghausen. Weil noch zu viele Insekten unterwegs sind, begeben sich Fledermäuse daher noch auf die Jagd, statt in die Winterpause zu gehen, mit der sie normalerweise die kalte insektenarme Zeit überbrücken.

Doch kalt wird es zumindest in nächster Zeit noch nicht. "Ein Frosteinbruch in der nächsten Woche ist nicht zu erwarten", sagt Helmut Malewski, Meteorologe vom Deutschen Wetterdienst. "Wir rechnen tagsüber mit Temperaturen zwischen fünf und zehn Grad, allenfalls nachts kann es mal Frost geben."

Zugvögel haben "keine Lust" zu ziehen
Auch für Vögel hat die Wintersaison noch nicht begonnen. Während von Amseln, Rotkehlchen und Zaunkönig in diesen Wochen "Herbstgesang" zu hören gewesen sei, wie Klaus Richarz berichtet, haben Zugvögel wie Kraniche aufgrund der warmen Temperaturen noch "keine Lust" wegzufliegen. Glücklicherweise geht es nicht so weit, dass die Vögel den Winter einfach überspringen und schon in Frühlingsgefühlen schwelgen: Für ihren Hormonhaushalt spielt neben den hohen Temperaturen Licht eine entscheidende Rolle. Und davon bieten die kurzen Novembertage einfach zu wenig.

Statt kalt wird es in Deutschland jetzt erst einmal nass. Nachdem diese Woche bereits schauerlich begann - vor allem im Norden -, wird dieser Trend nach Voraussage des Wetterdienstes Metemedia anhalten. Bis Mittwoch zieht eine Regenfront von Nordwesten nach Südosten durchs Land.

Den von Schadstoffen und Trockenheit gestressten Waldbäumen tut der viele Regen gut. Fällt er sanft und gleichmäßig, saugt sich die Erde voll wie ein Schwamm. "Der Wasserspeicher füllt sich dann gut auf", sagt Forstexperte Marohn. Die Feinwurzeln der Bäume haben so im Frühjahr schnell Zugang zum Wasservorrat. Bei der Schneeschmelze im Frühling fließt häufig das Wasser viel zu schnell ab. Nachteil: Ist der Boden zu weich, haben die Bäume keinen guten Halt, so dass ein starker Wintersturm großen Schaden anrichten kann.

Doch Kälte-Entwarnung wollen Meteorologen nicht geben. Man könne von dem warmen Herbst nicht ableiten, dass auch der Winter dieses Jahr warm werde, meint Helmut Malewskis. "Es ist möglich, dass das Wetter noch drastisch kippen kann."

Quelle: stern.de