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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Umstrittenes Alarmsignal soll Delfine schützen



Bushcamper
07.09.2006, 11:39
Düsseldorf (RP). Jedes Jahr verfangen sich mehr als 300000 Meeressäuger in den Netzen der Fischereikähne, schätzt die Internationale Walfangkommission. Ein schrilles Alarmsignal soll jetzt jedoch zumindest in den Gewässern der EU Walen und Delphinen das Leben retten. Doch ist fraglich, ob das Signal nicht genau das Gegenteil bewirkt.

Es soll die Tiere verscheuchen und sie von den riesigen Netzen der Fischkutter fernhalten. Die Europäische Kommission schreibt den Einsatz eines solchen Meeres-Martinshorns für alle Schiffe ab einer Länge von zwölf Metern vor.

Bis 2008 müssen die Fanggeräte schrittweise mit den akustischen Signalgebern, so genannten Pingern, ausgestattet werden. Doch Ökologen fürchten, dass der Meereslärm die Tiere nicht schützt, sondern schädigt. „Nach militärischen Sonoreinsätzen ist es wiederholt zu Massenstrandungen von Delfinen und Walen gekommen“, berichtet Susanne Prahl, Meeresforscherin vom Forschungs- und Technologiezentrum Westküste in Büsum.

Zuletzt ereignete sich ein solcher Vorfall 2005 vor der Küste Floridas. Häufig verendeten dabei mehr als ein Dutzend Tiere. In Untersuchungen habe man immer wieder Blutungen und Gasblasen in verschiedenen Organen der Kadaver gefunden, so Prahl.

Symptome der Taucherkrankheit

„Die Befunde erinnern an Symptome der Taucherkrankheit. Sie tritt auf, wenn ein Mensch aus großen Wassertiefen zu rasch auftaucht. Womöglich stört der Lärm die Orientierung der Meeressäuger. In Panik flüchten sie vor dem ungewohnten Krach an die Wasseroberfläche. Dabei könnte es zu tödlichen Organschäden kommen“, mutmaßt Prahl. Allerdings konnte diese Theorie bisher nicht bewiesen werden.

Umweltschutzverbände äußern sich ebenfalls kritisch zur neuen Verordnung: „Die Pinger verdrängen die Tiere aus ihrem Lebensraum und führen zu einer erheblichen akustischen Umweltverschmutzung“, schreibt der WWF. Die Organisation plädiert für reflektierende Netze, an denen das Biosonor, das die Tiere selbst zur Orientierung nutzen, zurückgeworfen wird. Dadurch würden die Delphine und Wale das tödliche Hindernis rechtzeitig erkennen und könnten ausweichen.