Bushcamper
23.08.2006, 12:25
Stuttgart/Radolfzell - Die größte Gefahr geht nach Ansicht von Agrarminister Peter Hauk von Tafel- und Reiherenten aus dem Baltikum aus. "Ich rechne mit einer vierstelligen Zahl von diesen Vögeln allein am Bodensee", sagte Hauk.
Die Vogelwarte Radolfzell geht ebenfalls von einem neuerlichen Ausbruch der Geflügelpest am Bodensee aus. "Wir rechnen damit, dass es wie im Vorjahr Vogelgrippefälle am Bodensee geben wird und auch wieder tote Tiere gefunden werden", sagte Hans-Günther Bauer, Wissenschaftler bei der Vogelwarte.
Virus durch Handel verbreitet?
Als eine der möglichen Quellen für die Krankheit sieht der Fachmann den Vogelzug. Allerdings rechnet er mit weit mehr Zugvögeln als das Ministerium in Stuttgart. "In den Hauptmonaten - Oktober bis Dezember - kommen zwischen 120.000 und 150.000 Tafel- und Reiher-enten an den Bodensee." Im vergangenen Jahr wurden 200.000 Zugvögel in ganz Baden-Württemberg gezählt. Die Behörden registrierten 50 tote Vögel, die mit dem Virus infiziert waren.
Auch die Experten der Vogelwarte wollen - wie ihre Schweizer Kollegen - die Ursachen der Geflügelpest untersuchen und haben hierzu mehrere Forschungsprojekte beim Agrarministerium in Stuttgart beantragt. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagt Bauer.
Allerdings glauben die Fachleute vom Bodensee, dass der Vogelzug nicht die einzige Quelle für die Verbreitung der Krankheit sei. "Die Ansteckung eines Schwans im Dresdner Zoo mit dem Virus hat uns hellhörig gemacht", sagt Bauer. Das deute eher darauf hin, dass die Krankheit auch durch den Handel verbreitet werde.
Hauk lehnt Impfung ab
Die bis zum 28. Februar 2007 bundesweit ausgeweitete Stallpflicht für Geflügel sei bislang der beste Schutz, um die Übertragung des gefährlichen Virus auf die Nutztierbestände zu verhindern. Ausnahmen sind möglich. "Dennoch können wir einen Befall des Hausgeflügels nicht ausschließen. Sollte dieser Fall eintreten, ist schnelles und konsequentes Handeln geboten", sagte der Minister weiter. Außerdem müssen Tiere in Gebieten mit hoher Geflügeldichte wie im Hohenlohischen im Stall bleiben. "Wir haben risikoorientierte Vorsorgemaßnahmen getroffen, die sich wieder auf die Wasservögel konzentrieren", sagte Hauk. Eine Ausweitung der Maßnahmen oder auch der Risikogebiete sei derzeit nicht notwendig.
Bild: Auch lehnte Hauk eine Impfung ab. "Geimpfte Tiere erkranken nicht an dem Virus. Aber die Tiere vermehren das Virus trotzdem und scheiden ihn aus. Damit sind es potenzielle Überträger. Solange wir keinen Impfstoff haben, der die Vermehrung des Virus ausschließt, solange kommt eine flächendeckende Impfung nicht in Betracht."
Erneut appellierte der Minister an die Bevölkerung, nicht in Panik auszubrechen: "Es handelt sich immer noch um eine Tierseuche. Für Menschen besteht keine Gefahr, sofern sie sich nicht in intensivem, sehr engem Kontakt mit infizierten Vögeln befinden." Im Kampf gegen eine mögliche Seuchenwelle forderte Hauk die Hausgeflügelhalter auf, ihre Verantwortung ernst zu nehmen und alle Vorsorgemaßnahmen einzuhalten.
Infektionen von Wildvögeln
Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts sind für die Zeit des Vogelzugs die Bedingungen für eine Ausbreitung des Virus günstiger. Bei kälteren Temperaturen könne der Erreger außerdem besser überdauern. Mit einer Ausbreitung des Virus erhöhe sich auch die Gefahr der Einschleppung in Nutzgeflügelbestände. Dies könne katastrophale Auswirkungen haben.
Das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 war Mitte Februar 2006 bundesweit erstmals auf der Ostsee-Insel Rügen aufgetaucht. Seit dem ersten bestätigten Vogelgrippefall im Südwesten Ende Februar sei bis Ende April bei insgesamt 16 Wasservögeln der aggressive Asia-Typ des Virus H5N1 nachgewiesen worden.
Nach wie vor werden im Friedrich-Loeffler-Institut Infektionen von Wildvögeln mit dem hoch pathogenen Vogelgrippevirus vom Typ H5N1 Asia festgestellt. Das Virus ist bisher bei mehr als 330 Wildvögeln, hauptsächlich bei Wasservögeln, in acht Bundesländern festgestellt worden. In Sachsen wurde das Virus erstmalig in Deutschland auch in einen Nutzgeflügelbestand direkt oder indirekt über Wildvögel eingeschleppt. In Deutschland ist der Vogelgrippevirus H5N1 außer bei Wildvögeln auch bei einem Steinmarder und bei drei streunenden Hauskatzen auf Rügen aufgetreten, so das Friedrich-Löffler-Institut.
Quelle: suedkurier.de
Die Vogelwarte Radolfzell geht ebenfalls von einem neuerlichen Ausbruch der Geflügelpest am Bodensee aus. "Wir rechnen damit, dass es wie im Vorjahr Vogelgrippefälle am Bodensee geben wird und auch wieder tote Tiere gefunden werden", sagte Hans-Günther Bauer, Wissenschaftler bei der Vogelwarte.
Virus durch Handel verbreitet?
Als eine der möglichen Quellen für die Krankheit sieht der Fachmann den Vogelzug. Allerdings rechnet er mit weit mehr Zugvögeln als das Ministerium in Stuttgart. "In den Hauptmonaten - Oktober bis Dezember - kommen zwischen 120.000 und 150.000 Tafel- und Reiher-enten an den Bodensee." Im vergangenen Jahr wurden 200.000 Zugvögel in ganz Baden-Württemberg gezählt. Die Behörden registrierten 50 tote Vögel, die mit dem Virus infiziert waren.
Auch die Experten der Vogelwarte wollen - wie ihre Schweizer Kollegen - die Ursachen der Geflügelpest untersuchen und haben hierzu mehrere Forschungsprojekte beim Agrarministerium in Stuttgart beantragt. Eine Entscheidung sei aber noch nicht gefallen, sagt Bauer.
Allerdings glauben die Fachleute vom Bodensee, dass der Vogelzug nicht die einzige Quelle für die Verbreitung der Krankheit sei. "Die Ansteckung eines Schwans im Dresdner Zoo mit dem Virus hat uns hellhörig gemacht", sagt Bauer. Das deute eher darauf hin, dass die Krankheit auch durch den Handel verbreitet werde.
Hauk lehnt Impfung ab
Die bis zum 28. Februar 2007 bundesweit ausgeweitete Stallpflicht für Geflügel sei bislang der beste Schutz, um die Übertragung des gefährlichen Virus auf die Nutztierbestände zu verhindern. Ausnahmen sind möglich. "Dennoch können wir einen Befall des Hausgeflügels nicht ausschließen. Sollte dieser Fall eintreten, ist schnelles und konsequentes Handeln geboten", sagte der Minister weiter. Außerdem müssen Tiere in Gebieten mit hoher Geflügeldichte wie im Hohenlohischen im Stall bleiben. "Wir haben risikoorientierte Vorsorgemaßnahmen getroffen, die sich wieder auf die Wasservögel konzentrieren", sagte Hauk. Eine Ausweitung der Maßnahmen oder auch der Risikogebiete sei derzeit nicht notwendig.
Bild: Auch lehnte Hauk eine Impfung ab. "Geimpfte Tiere erkranken nicht an dem Virus. Aber die Tiere vermehren das Virus trotzdem und scheiden ihn aus. Damit sind es potenzielle Überträger. Solange wir keinen Impfstoff haben, der die Vermehrung des Virus ausschließt, solange kommt eine flächendeckende Impfung nicht in Betracht."
Erneut appellierte der Minister an die Bevölkerung, nicht in Panik auszubrechen: "Es handelt sich immer noch um eine Tierseuche. Für Menschen besteht keine Gefahr, sofern sie sich nicht in intensivem, sehr engem Kontakt mit infizierten Vögeln befinden." Im Kampf gegen eine mögliche Seuchenwelle forderte Hauk die Hausgeflügelhalter auf, ihre Verantwortung ernst zu nehmen und alle Vorsorgemaßnahmen einzuhalten.
Infektionen von Wildvögeln
Nach Angaben des Friedrich-Loeffler-Instituts sind für die Zeit des Vogelzugs die Bedingungen für eine Ausbreitung des Virus günstiger. Bei kälteren Temperaturen könne der Erreger außerdem besser überdauern. Mit einer Ausbreitung des Virus erhöhe sich auch die Gefahr der Einschleppung in Nutzgeflügelbestände. Dies könne katastrophale Auswirkungen haben.
Das auch für Menschen gefährliche Virus H5N1 war Mitte Februar 2006 bundesweit erstmals auf der Ostsee-Insel Rügen aufgetaucht. Seit dem ersten bestätigten Vogelgrippefall im Südwesten Ende Februar sei bis Ende April bei insgesamt 16 Wasservögeln der aggressive Asia-Typ des Virus H5N1 nachgewiesen worden.
Nach wie vor werden im Friedrich-Loeffler-Institut Infektionen von Wildvögeln mit dem hoch pathogenen Vogelgrippevirus vom Typ H5N1 Asia festgestellt. Das Virus ist bisher bei mehr als 330 Wildvögeln, hauptsächlich bei Wasservögeln, in acht Bundesländern festgestellt worden. In Sachsen wurde das Virus erstmalig in Deutschland auch in einen Nutzgeflügelbestand direkt oder indirekt über Wildvögel eingeschleppt. In Deutschland ist der Vogelgrippevirus H5N1 außer bei Wildvögeln auch bei einem Steinmarder und bei drei streunenden Hauskatzen auf Rügen aufgetreten, so das Friedrich-Löffler-Institut.
Quelle: suedkurier.de