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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Australien: Japan hat Tunfisch im Wert von zwei Mrd. Dollar gestohlen



Bushcamper
16.08.2006, 08:47
Südlicher Roter Tun vor dem Ende

Sydney (pte/14.08.2006/13:50) - Die Anklage aus der Chefetage der obersten Fischereibehörde Australiens wiegt schwer: Japan hat Rote Tunfische (Thunnus maccoyi) für zwei Mrd. Dollar illegal aus dem Pazifik gefischt und damit diese Fischart an den Rand des Aussterbens gebracht. Die Japaner haben in den vergangenen 20 Jahren mindestens drei Mal soviel Tunfisch gefangen, wie es in den festgelegten Quoten vereinbart war, berichtet der Sydney Morning Herald http://www.smh.com.au.

"In Wahrheit hat Japan Tunfisch im Wert von zwei Mrd. Dollar der internationalen Gemeinschaft gestohlen. Es ist unverständlich, dass dieses Land seit 15 Jahren an den Treffen der Fischereibehörden teilnimmt und von sich behauptet, es habe eine Weste weiß wie Schnee", so Richard McLoughlin, Manager der Australian Fisheries Management Authority http://www.afma.gov.au bei einem Seminar an der Australian National University http://www.anu.edu.au . "Es wurde aufgedeckt, dass die Japaner statt der jährlichen 6.000 Tonnen in den vergangenen 20 Jahren zwischen 12.000 und 20.000 Tonnen gefangen haben", so der Experte. Die offiziellen Ergebnisse einer von Australien durchgeführten Untersuchung waren bereits im Juli bei einem Treffen der Commission for the Conservation of Southern Bluefin Tuna in Canberra präsentiert worden, blieben aber so lange geheim. Australien war den Japanern auf die Schliche gekommen, nachdem sie offizielle Zahlen hinterfragten.

McLoughlins Aufdeckungen legen auch nahe, dass andere Fischarten im Pazifik und im Indischen Ozean ebenso davon betroffen sein könnten. Zudem ist der Ruf laut geworden, die Roten Tun unter internationalen Schutz zu stellen. Wie die Japaner es schafften, die jährlichen Fangquoten derart auszudehnen, sei ein weiterer Schwindel: Das sei nur deshalb möglich gewesen, weil nur Japaner auf den japanischen Booten kontrollierten. "Es kamen jährlich mehrere tausend Tonnen Roter Tun ohne konkrete Herkunftsbezeichnung auf den australischen Markt. Viel davon stammte angeblich von thailändischen oder taiwanesischen Fischerbooten und wurde über japanische Händler vertrieben. Zum Teil waren auch die Angaben der Fischart falsch. Es handele sich um einen internationalen Betrug, so McLoughlin. Die einzige Art dies einzuschränken, sei eine Satellitenüberwachung der japanischen Fischereiflotte.

Insgesamt machen die jährlich vereinbarten Quoten von 14.080 Tonnen Roter Tun nur einen Bruchteil des japanischen Hungers auf Tunfisch aus: Das Land importiert jährlich 650.000 Tonnen Tun - in erster Linie aus dem Indischen und Pazifischen Ozean. Die falsche und unrichtigen Zahlenangaben haben aber offensichtlich eine gewisse Tradition: "Bis zu den frühen 1990er Jahren waren die Fangquoten entweder schwer nach unten korrigiert oder es gab überhaupt keine Angaben über die Fangmenge, berichtet Sandra Tate von der University of the South Pacific http://www.usp.ac.fj . Die Angriffe gegen Japan weiten sich nun aber auch auf andere Tierarten aus dem Meer aus. Im Visier der Experten sind nun nämlich auch die von Japan aus wissenschaftlichen Gründen getöteten Wale. "Jene Staaten der Welt, die es in Betracht ziehen, das Walfang-Moratorium aufzuheben, sollten sich darüber Sorgen machen, ob es hier nicht auch zu falschen Angaben der Menge kommen wird", so Nicola Benton von der Humane Society International http://www.hsi.org.au.

Der Rote Tunfisch (auch Blauflossen-Tunfisch) kann bis zu 4,5 Meter lang und über 600 kg schwer werden, lebt ungefähr 15 Jahre, wird aber meist bei einer Länge von zwei Metern gefangen. Die Population im Pazifik rund um Australien ist etwas kleiner und bringt durchschnittlich 200 kg auf die Waage. Das Fleisch dieser Fische gehört zu den teuersten weltweit. (Ende)

Quelle: APA