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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Überleben im Winter!



Glacergirl
03.02.2006, 16:21
Hallo,

ich frage mich immer wieder, wie Tiere mit den widrigen Lebensbedingungen im Hochgebirge zurechtkommen...

Was mir aber völlig schleierhaft ist, ist dass das Rotwild angeblich seine Körpertemperatur auf bis zu 15 Grad absenken kann.

Wie ist das möglich? Ist doch sonst für Warmblütler tödliche, oder?

Sonnige Grüße,

Glacegirl

Dr. Balfanz
04.02.2006, 09:59
Liebes Glacegirl,
viele einheimische Wildtiere wie z.B. das Schalwild sind in der kalten Jahreszeit in der Lage ihren Stoffwechsel zu reduzieren, d.h. dass ihre Körpertemperatur, Herzfrequenz und Aktivität auf ein Minimum im Winter abzusinken. Dies ist aufgrund der niedrigen Temperaturen und des knappen Futterangebots in dieser Jahreszeit notwendig.
Regulierenden Stoffwechselhormone, wie z.B. das Kortisol spielen dabei eine wichtige Rolle. Die Körpertemperatur in den Extremitäten kann dabei durch eine Engstellung der Blutgefäße bis auf 15 °C sinken. Damit die Körperfunktionen jedoch aufrecht erhalten werden, dafür sorgt u.a. ein sogen. "Wärmeaustauschsystem" der Blutgefäße: das vom Herzen kommende, warme arterielle Blut erwärmt das von der Peripherie kommende, kältere venöse Blut. Auch das Muster der vorkommenden ungesättigten Fettsäuren in den Körperzellen wirkt dabei als "Frostschutzmittel".
Es ist also aufgrund des erniedrigten Stoffwechsels der Tiere enorm wichtig, das Wild gerade am Ende des Winters, wenn die Körperreserven schon fast aufgebraucht sind, nicht unötig zu stören und sollte sich dementsprechend in der Natur verhalten.

Glacergirl
05.02.2006, 13:19
...einfach faszinierend! 8o

Eine Frage hätte ich noch: Was ist der Unterschied zum Winterschlaf von Murmeltieren und Bären?

Danke für Ihre sehr ausführliche Antwort!

Glacergirl

Dr. Balfanz
12.02.2006, 20:14
Die Begriffe "Winterschlaf" und "Winterruhe" bei den unterschiedlichen Tierarten sind veraltet.
Tiere, wie Murmel und Bär fallen in einen Torpor während der kalten Jahreszeit, d.h. sie reduzieren ihren Stoffwechsel, verkleinern ihre Organe und fahren die Körpertemperatur herunter.
Wie lange, wie oft und wie tief sie dass tuen, ist tierartspezifisch unterschiedlich.